Jetzt sollen mal die Jüngeren ran

Damals wollte er einfach weg. Möglichst weit weg von zu Hause. "Ich hatte keine Lust, in der Schlosserwerkstatt meines Vaters zu arbeiten", sagt Ralf Stüwe, der in Stralsund geboren und aufgewachsen ist - und in Mitteldeutschland seine Heimat gefunden hat. Am 21. Mai feiert der gelernte Rohrleitungsbauer sein 40. Dienstjubiläum in der Wasserwirtschaft. Ihm ist wichtig, "dass ich mein Wissen an die Jüngeren weitergeben kann, bis ich in Rente gehe". 

Ralf Stüwe ist im Altkreis Bitterfeld bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Man kennt ihn. Weil er von Anfang an unentwegt auf den Baustellen unterwegs ist, Verantwortung übernimmt und im Gespräch ist - mit den Kommunen, mit den Baufirmen, mit den Anwohnern. 

Als die MIDEWA (damals VEB Wasser- und Abwasserbehandlung) 1986 per Annonce nach Mitarbeitern suchte, bewarb er sich. Bei IKR war er auf Montage, baute mit seinen Kollegen unter anderem Kraftwerke, doch irgendwann wollte er nicht mehr so viel unterwegs sein, eine Familie gründen. In der Wasserwirtschaft fühlte er sich gleich wohl, wurde Vorarbeiter, besuchte die Meisterschule. Zuletzt war er als Bereichsleiter für die Region Bitterfeld beschäftigt, "das sollen jetzt mal die Jüngeren machen", sagt er und lässt dem Nachwuchs gern den Vortritt. Als sogenannter operativer Monteur trägt er seit Anfang des Jahres trotzdem weiter Verantwortung - unter anderem für die Baustellen-Organisation im Versorgungsbereich Muldenaue der MIDEWA.

"Unter Stress", weiß der Familienmensch Ralf Stüwe, "hat man oft zwar die besten Ideen, trotzdem gilt auch in herausfordernden Situationen: In der Ruhe liegt die Kraft." Er hat in vier Jahrzehnten Wasserwirtschaft einiges erlebt, darunter etliche Rohrbrüche, "die sich leider nie vorher ankündigen", erzählt er. 

"Wenn um vier Uhr morgens ganz Bitterfeld kein Wasser hat, müssen die Abläufe gut eingespielt sein, damit man den Schaden möglichst schnell beheben kann", sagt der 61-Jährige. Damals rief ein Kunde unter der Bereitschaftsnummer an, dass bei ihm im Keller plötzlich Wasser stand - "damit hatten wir unseren Rohrbruch schneller gefunden als gedacht und konnten mit der Reparatur beginnen". Die Situation aus dem Jahr 2022 ist ihm deshalb so in Erinnerung geblieben, weil er schon alles in die Wege geleitet hatte, um die Wasserversorgung für den Übergang sicherzustellen: Wasserwagen aus anderen MIDEWA-Standorten waren unterwegs nach Bitterfeld, auch etliche Kollegen, die bei der Leckortung beziehungsweise Reparatur unterstützen sollten. Aber alle wieder nach Hause schicken, wollte man auch nicht: "Wir haben einfach das Beste aus der Situation gemacht und das Ganze kurzerhand als Notfallübung deklariert", erinnert sich Ralf Stüwe. 

Wie wichtig das Wasser aus dem Hahn ist, merke man immer erst in solchen Situationen. Seine Arbeit hat Ralf Stüwe immer als verantwortungsvoll empfunden. Und er mag es, dass es "eigentlich keinen Alltag gibt". Man könne nicht wissen, welche Baustellen im weitesten Sinne der Arbeitstag mit sich bringt. 

Was die Zukunft für den Jubilar bringt, wüsste zwar auch niemand. Doch Ralf Stüwe hat Pläne: "Gesund bleiben!". Er will möglichst viel Zeit mit seiner Familie verbringen - er hat drei Kinder und fünf Enkelkinder. Und er will sich fit halten, um noch lange Spaß auf seinen Fahrradtouren zu haben, die ihn auch an die Küste oder ins Elbsandsteingebirge führen.

Ralf Stüwe, Bereichsleiter Muldenaue, im Gespräch mit Bauleiter Mario Salaske (orangene Jacke) auf einer Baustelle in Roitzsch.