Der Routinier hört auf

Für Hans Wilhelm Weis beginnt ein neues Leben. Am 29. November steht der 65-Jährige zum letzten Mal am Beckenrand der Köthener Badewelt und beaufsichtigt all jene, die sich dort im Wellenbecken oder im Schwimmerbecken tummeln. Nach ereignisreichen, intensiven Berufsjahren sagt er sich nun: Der Ruhestand kann kommen.

Und wenn Hans Wilhelm Weis noch dazu auf seine private Projektliste schaut, dann dürften die kommenden Wochen und Monaten gut gefüllt sein. Er will seinen Balkon reparieren und die Schuppentür. Außerdem würden die Enkel schon sehnsüchtig darauf warten, dass Opa endlich die Modelleisenbahn aufbaut.

Hans Wilhelm Weis gehört vom ersten Tag an zur Köthener Badewelt. „Wenn man Schwimmmeister ist, gibt es nichts Wichtigeres als die Sicherheit der Badegäste.“ Das ist all die Jahre sein Anspruch.

Seit 1960 ist er in  Glauzig (Stadt Südliches Anhalt) zu Hause, geboren in Landshut, Niederbayern. Wegen der Arbeit seines Vaters, der als Rohtabakfabrikant den Lebensunterhalt für die Familie verdient hatte, verschlug es die Familie seinerzeit hierher. Später studierte Hans Wilhelm Weis Pädagogik. Seine Fächer waren Mathe und Chemie. Doch die Gesundheit ließ ihm keine andere Wahl: Er brauchte eine Alternative zum Lehrerberuf und absolvierte eine Ausbildung zum Staatlich geprüften Schwimmmeister.

Seit 1972 bildete er Rettungsschwimmer im Kreis Köthen aus. Von 1979 an arbeitete er im Glauziger Freibad, das er auch leitete. Dafür setzte er sich ab 1991 sogar noch einmal auf die Schulbank und machte seinen Meister. Als die Köthener Badewelt dann 2002 eröffnete, wechselte er dorthin. „Das war unser Baby“, erinnert er sich an die Anfänge mit einem motivierten Team von knapp 20 Leuten. Für ihn und für viele Besucher sei die Köthener Badewelt am Ratswall bis heute „eine attraktive Sport- und Freizeitstätte, die in der näheren Umgebung ihresgleichen sucht“. Nur hier gebe es zum Beispiel einen Sprungturm.

Am liebsten verbrachte Hans Wilhelm Weis seine Arbeitszeit tatsächlich am Beckenrand und nicht im Schwimmmeisterraum. Das habe er, betont er, so gelernt; man sollte immer wieder woanders sein, das Geschehen aus einem anderen Blickwinkel beobachten. „Als Schwimmmeister musst du jederzeit mit allem rechnen“, weiß er. Zweimal musste er jemanden reanimieren. „Da darf man nicht überlegen; einfach machen.“

Es habe „so viele schöne Momente“ in seinem Schwimmmeisterleben gegeben, sagt er. Und er bereue es ein wenig, nun doch kein Buch geschrieben zu haben. Vielleicht tut er das ja noch. Sofern ihm seine Familie, insbesondere die vier Enkel im Alter von acht bis 17 Jahren, die Zeit lassen.