"Es lief alles glatt"

Ganz Hettstedt ohne Trinkwasser. "So weit ist es zum Glück nicht gekommen, weil wir die technischen Möglichkeiten haben und unser Versorgungsnetz derart umschiebern können, dass in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai lediglich ein Teil unserer Kunden betroffen war", sagt Heiko Ryll, der Technische Leiter der Stadtwerke Hettstedt. Am Mittwochmorgen hatten die Kunden dann schon wieder Wasser aus dem Hahn - früher als gedacht. "Es lief alles glatt", brachte es Peter Erfurth, Leiter Betrieb in der MIDEWA-Niederlassung Mansfelder Land - Querfurter Platte, am Mittwochmorgen auf den Punkt. 

In einer lange geplanten Maßnahme ist jetzt ein neuralgischer Punkt der aus Ritterode kommenden Versorgungstrasse in Richtung Hettstedt ausgetauscht worden: ein Schieberkreuz auf der Hauptversorgungsleitung, die über einen Durchmesser von 60 Zentimetern verfügt. Über diese Guss-Leitung werden nicht nur die Kunden der Stadtwerke Hettstedt mit Trinkwasser versorgt, sondern auch einige Hundert MIDEWA-Kunden in Walbeck.

Grundsätzlich gewährleistet der Hochbehälter Ritterode mit vier einzelnen Kammern und einem Fassungsvermögen von insgesamt 20 000 Kubikmetern Trinkwasser eine zuverlässige Wasserversorgung für die Stadt und umliegende Ortschaften. Vorausgesetzt, die Zubringerleitung in Richtung Hettstedt ist intakt. "Im vergangenen Jahr hatten wir einen Rohrbruch im Kreuzungsbereich Walbeck, Höhe Parkstraße. Rohrbrüche gehören für uns als Wasserversorger zum alltäglichen Geschäft. Damit müssen wir umgehen, um die Menschen so schnell wie möglich wieder mit Trinkwasser zu versorgen. Das ist unsere Aufgabe", erklärt Peter Erfurth.

Für diesen geborstenen Kreuzungsbereich ist ein komplett neues Schieberkreuz gebaut worden. Eine Art Maßanfertigung der Firma Umwelttechnik und Wasserbau GmbH, die deutschlandweit als Spezialistin in Sachen Rohrleitungsbau gefragt ist, weiß Peter Erfurth. In der Nachtaktion ist dieses Schieberkreuz nun in das bestehende Versorgungssystem eingebunden worden. 

"Solche anspruchsvollen Projekte", weiß auch der Technische Leiter der Stadtwerke Hettstedt, "sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Man weiß nie, ob das vorgefertigte Bauteil wirklich perfekt passt oder an Ort und Stelle doch nachgearbeitet werden muss." Gemeinsam mit der MIDEWA konnte die Baustelle, die zwangsläufig mit einer umfangreichen Unterbrechung der Trinkwasserversorgung verknüpft war, so schnell wie möglich realisiert werden. "Wir waren auf ziemlich alles vorbereitet, hatten genügend Mitarbeiter eingetaktet und auch die erforderliche Technik auf der Baustelle parat", betont Peter Erfurth, der seinen Kollegen für ihren Einsatz in der Nacht dankt.

Besonders kritisch: die Absicherung der Trinkwasserversorgung rund um die Uhr und trotz Großbaustelle für die Helios Klinik Hettstedt. "Hier konnten wir die Zeit mit unserem neuen Notwasserwagen und einer Reserve von 10 000 Litern gut überbrücken", schildert Peter Erfurth. "Es lief alles reibungslos." Außerdem sei die MIDEWA darauf vorbereitet gewesen, den Notwasserwagen je nach Bedarf über mobile Zisternen nachzufüllen. 

Die circa 2 000 betroffenen Kunden der Stadtwerke, denen Heiko Ryll ausdrücklich für ihr Verständnis dankte, befanden sich im Umfeld der Helios Klinik. Unter anderem mussten die Bewohner von Wohnblöcken und des Kolping-Berufsbildungswerkes seit Dienstagabend bis zum frühen Mittwochmorgen auf Trinkwasser verzichten. Die Stadtwerke Hettstedt hatten den großen Vorteil, dass die aus der Ritteröder Straße kommende Leitung weiter Fernwasser lieferte und damit ein Großteil der Menschen in der Stadt vollkommen unberührt von dieser Maßnahme geblieben sind. 

"Wir sind froh, dass wir dieses Projekt so reibungslos realisieren konnten und die Kunden sogar früher als gedacht wieder Wasser aus dem Hahn hatten." Das, so Peter Erfurth, habe nicht zuletzt an der sehr guten Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Hettstedt gelegen. 

Am Mittwoch muss die Versorgungsleitung noch entlüftet und der Hochbehälter Ritterode wieder befüllt werden. Das dürfte den ganzen Tag in Anspruch nehmen, schätzt Peter Erfurth und kündigt für Donnerstag noch die Einbindung der Leitung ins Netz der Stadtwerke Hettstedt an - allerdings ohne Einschränkungen für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung.