Investitionen reduzieren Energiebedarf

Mit einem umfangreichen Investitionspaket von über 400.000 Euro hat der Abwasserzweckverband (AZV) Eisleben - Süßer See seine Kläranlage in Rollsdorf in vielen Bereichen dem Stand der Technik angepasst. Das Ziel: Energie sparen. 

„Unabhängig von der aktuellen Entwicklung am Energiemarkt hat die Technik eine rasante Entwicklung genommen. Da sind wir als Aufgabenträger in der kommunalen Daseinsvorsorge auch in der Pflicht, immer wieder nachzusteuern und zu investieren, um den Anlagenbetrieb und damit die Abwasserentsorgung für viele Tausend Menschen und die angeschlossenen Betriebe sicherzustellen“, weiß Andreas Gimpel, der Geschäftsführer des AZV.

Die größten Energiefresser auf der Kläranlage sind oftmals die Gebläse. Sie sorgen für den Lufteintrag in den Belebungsbecken, in denen die Bakterien das Abwasser reinigen, indem sie die organischen Bestandteile des Abwassers abbauen. Auf der Kläranlage Rollsdorf, deren Kapazität bei 65 000 Einwohnerwerten liegt, gibt es drei Belebungsbecken für die biologische Reinigung des Abwassers. Jedes einzelne Becken verfügt über ein Volumen von 5 000 Kubikmetern, eine Grundfläche von 960 Quadratmetern und ist 4,65 Meter tief. 

"Die biologische Reinigung ist das Herzstück der Abwasserreinigung und benötigt jede Menge Energie", weiß Marko Hahn, der Technische Leiter der MIDEWA-Niederlassung Mansfelder Land - Querfurter Platte. Die MIDEWA kümmert sich seit vielen Jahren um den Betrieb der Kläranlage Rollsdorf und begleitete den AZV auch bei den jüngsten Investitionen. Es sollte mit vielen verschiedenen Maßnahmen eine "enge Verzahnung von effizienter Technik und optimierter Prozesssteuerung" erreicht werden, erklärt Marko Hahn. Und es sollten am Ende circa 20 Prozent des Energiebedarfs der Kläranlage eingespart werden. Das entspricht rund 200 000 Kilowattstunden pro Jahr.

Was im Einzelnen getan wurde: 

1 Erneuerung der Belüfterkerzen in allen drei Becken, um den Sauerstoffeintrag zu optimieren. Die Laufzeit der Gebläse wird reduziert und damit ihr Energiebedarf. 

2 Ersatz der bestehenden Gebläse durch effizientere Turbo-Gebläse, die dem Stand der Technik entsprechen und weniger Energie benötigen. 

3 Erneuerung der Regeltechnik durch Einsatz einer intelligenten Steuerung, die an Sensoren gekoppelt ist. Die Belüftung kann auf diese Weise flexibler auf die dynamischen Prozesse in den Becken reagieren. Zusätzliche Leitungen und mechanische Schieber ermöglichen eine variable Luftverteilung, da die einzelnen Gebläse unabhängig voneinander eingesetzt werden können. 

Schon lange bevor die Energiepreise explodiert sind, hat sich der AZV Eisleben - Süßer See mit den Erneuerungsmaßnahmen auf seiner Kläranlage beschäftigt, um weniger Energie für dasselbe Ziel  einsetzen zu müssen: den behördlichen Anforderungen entsprechend gereinigtes Abwasser. "Das Konzept war gut, der Erneuerungsbedarf offensichtlich und wir haben es nach einigen intensiven Gesprächen letztlich geschafft, über die Investitionsbank des Landes Fördermittel zu akquirieren", erinnert Andreas Gimpel. Die Europäische Union unterstützte das Vorhaben mit vielen verschiedenen Einzelmaßnahmen in Summe mit 20 Prozent. Das Geld stammt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, kurz Efre.

"Alle", betont Andreas Gimpel, "stehen unter enormem Druck und müssen ihre Energieverbräuche teilweise massiv reduzieren. Das gilt für Privathaushalte, Unternehmen und auch für Verbände wie uns. Wir haben eine Aufgabe, die wir rund um die Uhr im Sinne der Allgemeinheit und der Umwelt erbringen. Wir können die Kläranlage nicht einfach ausschalten, weil sie zu viel Energie verbraucht." Umso wichtiger seien die Maßnahmen der vergangenen Monate gewesen, um den Kläranlagenbetrieb in vielen Bereichen dem Stand der Technik anzupassen.