Tauchgang im Abwasser

Farbenprächtige Fische werden die Spezialtaucher aus dem thüringischen Neustadt an der Orla in Muldenstein (Gemeinde Muldestausee) nicht zu Gesicht bekommen. Ihr Einsatz bedeutet  Schwerstarbeit. Sie arbeiten komplett ohne Sicht, verlassen sich bei ihrem Tauchgang im Abwasser ausschließlich auf die Kommandos von außen. 

Auf der Kläranlage der Abwasserzweckverbandes (AZV) Westliche Mulde in Muldenstein gab es in dieser Woche aufwendige Revisions- und Wartungsarbeiten. “Die Spezialtaucher unterstützen uns dabei, die einzelnen Module, die für einen funktionierenden Reinigungsprozess ineinandergreifen müssen, genau unter die Lupe zu nehmen und bei Bedarf Bauteile zu ersetzen”, schildert Thoralf Gajek, Mitarbeiter der technischen Abteilung der MIDEWA Wasserversorgungsgesellschaft in Mitteldeutschland mbH. Konkret geht es um das Belebungsbecken, dem Herzstück der Abwasserreinigung. Hier steigen die Taucher unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen hinab, nur über Funkkontakt mit der Außenwelt verbunden. 

Die neue Kläranlagensteuerung ist im Sommer installiert worden, “jetzt widmen wir uns der Hardware”, vergleicht Thoralf Gajek. Und dafür brauche es ausgewiesene Experten. Die Spezialtaucher kämen nur dann zum Einsatz, wenn über die klassische Betriebsführung hinaus, wie sie die MIDEWA für den AZV Westliche Mulde mit Sitz in Bitterfeld erbringt, besondere Fähigkeiten gefragt sind. “Es gibt nicht viele Firmen, die solche Tauchgänge im Belebungsbecken durchführen können”, betont Thoralf Gajek. 

Um die Betriebssicherheit der Kläranlage für die nächste Zeit wieder optimal zu gewährleisten, prüfen die Taucher zum Beispiel sämtliche Einbauten, Verschraubungen und Kabelverbindungen im Belebungsbecken. Es geht unter anderem um die Dichtigkeit der Belüftungsleitungen. Und der Schlamm, der sich mit der Zeit am Beckenboden ablagert, wird mit spezieller Saugtechnik beseitigt. “Damit bekommen die Bakterien, die im Belebungsbecken arbeiten, wieder optimal Luft.” Das sei nicht nur eine Frage der Energieeffizienz, sondern auch unerlässlich, um die hohen Anforderungen der Umweltbehörde an die Qualität des gereinigten Abwassers zu erfüllen. Die Bakterien sind am Ende dafür da, die Organik im Abwasser abzubauen und es damit zu reinigen. 

“Dieser zweitägige Tauchereinsatz ist also in doppelter Hinsicht zielführend: für die Betriebssicherheit und die Reinigungsleistung der Anlage”, betont Thoralf Gajek. Während die Taucher im Einsatz sind, wird die Kläranlage weitgehend ohne automatische Unterstützung betrieben. Ungeachtet dessen halte man die geforderten Grenzwerte ein. 

Die Spezialtaucher kommen nur dann auf die Kläranlage, wenn besondere Erfordernisse anstehen, wie jetzt mit der Revision in Muldenstein. In der Corona-Pandemie müssten zudem besondere Vorkehrungen zum Schutz aller Beteiligten getroffen werden. Aber die Maßnahmen, weiß Thoralf Gajek, seien den Mitarbeitern der MIDEWA in Bitterfeld seit Monaten hinlänglich bekannt und würden keine Probleme darstellen. 

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