Viren im Visier

Wie können wir die Corona-Pandemie in den Griff bekommen, Mutanten frühzeitig erkennen und Schutzmaßnahmen schneller und gezielter steuern? Wie können wir uns in Zukunft vor dem Ausbruch von Pandemien schützen? Antworten dazu finden sich im Abwasser. Schließlich hinterlässt der Mensch dort viele Spuren. Auch Spuren des SARS-CoV-2-Virus. Der Umweltdienstleister Veolia, der mit 25,1 Prozent an der MIDEWA beteiligt ist, hat dazu geforscht und im französischen Netzwerk zur epidemiologischen Abwasserbeobachtung »Obépine« ein Corona-Frühwarnsystem entwickelt. Damit können das Corona-Virus und seine Mutanten durch Labor-Analysen im Abwasser nachgewiesen werden. Eine Lösung, die der Abwasserzweckverband (AZV) »Eisleben – Süßer See« schon heute nutzt.

»Wir wollen die Kommunen in unserem Verbandsgebiet im Kampf gegen die Corona-Pandemie unterstützen«, sagt AZV-Geschäftsführer Andreas Gimpel. »Seit Mai lassen wir deshalb von unserem Betriebsführer, der MIDEWA, regelmäßig einmal pro Woche am Zulauf der Kläranlage in Rollsdorf eine Abwasserprobe nehmen und auf das Corona-Virus und dessen Varianten untersuchen.«

Rollsdorf ist eine von derzeit neun Kläranlagen in Deutschland, auf denen das Veolia-Verfahren angewendet wird. »Analysiert wird hier das Abwasser der gesamten Bevölkerung von Eisleben, Helbra und Umgebung sowie aus dem Seegebiet Mansfelder Land«, erklärt Martin Moisel, Technischer Leiter der MIDEWA-Niederlassung Mansfelder Land – Querfurter Platte in Lutherstadt Eisleben. »Das heißt, auch infektiöse Menschen, die bisher keine Symptome zeigen oder noch nicht getestet wurden, werden betrachtet.«

In den täglichen Inzidenzen des Robert-Koch-Institutes werden diese Fälle nicht berücksichtigt, denn sie basieren nur auf den PCR-Testergebnissen. Ein weiterer Vorteil: Die Abwasseranalysen sind weniger aufwendig und liefern viel schneller Erkenntnisse. »Schon drei Tage nach der Abwasserprobenahme erhalten wir vom Labor über ein Dashboard detaillierte Informationen darüber, wie hoch die Viruslast im Abwasser ist, sowie ob und in welcher Menge eventuelle Mutanten auftreten«, erläutert Martin Moisel. Das heißt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Träger des Virus noch gar nicht wissen, dass sie infiziert sind. Damit sind die Abwassermessungen den Inzidenzen um Tage voraus. Gerade wenn die Inzidenzen unter zehn liegen, sei das Frühwarnsystem eine guter Indikator. Dann sei ein Nachweis im Abwasser kaum noch möglich, und ein plötzlicher erneuter Wiederanstieg der Viruslast im Abwasser würde sofort auffallen.

»In einer Pandemie, wie wir sie heute erleben, ist es wichtig, dass Kommunen schnell Schutzmaßnahmen einleiten, um die Virusausbreitung eindämmen zu können. Die Abwasseranalysen können dabei eine große Hilfe sein und auch in Zukunft dazu beitragen, die Zirkulation anderer Krankheiten zu identifizieren«, sagt AZV-Geschäftsführer Andreas Gimpel. Denn die Abwässer werden immer mehr zu Indikatoren, um Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und somit schneller handeln zu können.

 

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