Warum der Startpunkt das Ziel ist

Mit dem Einzug der neuen Trinkwasserleitung zwischen der Leunaer Straße in Merseburg und der Ackerfläche zwischen der Werderstraße und der Saale, nahe des dortigen Wasserwerkes, ist eine Baustelle mit immensen Herausforderungen auf die Zielgerade eingebogen. Seit Donnerstagmorgen sind Start- und Zielgrube in 750 Metern Entfernung fest miteinander verbunden. Ein anspruchsvolles Teilstück der insgesamt 1,4 Kilometer langen Strecke der Hauptversorgungsleitung ist damit realisiert und der Grundstein für die zukünftige Trinkwasserversorgung der Dom- und Hochschulstadt gelegt. 

Erfreuliche Nachrichten sind das für Thorsten Mahler, der das Projekt für die MIDEWA Wasserversorgungsgesellschaft in Mitteldeutschland mbH intensiv begleitet und am ersten Adventswochenende auf der Baustelle verfolgen konnte, wie mühsam sich das Eichhörnchen sprichwörtlich ernährt: “Der Bohrer ist nur zentimeterweise voran gekommen”, schildert er. Im Extremfall seien in vier Stunden lediglich rund zehn Meter Fortschritt zu beobachten gewesen. Bei besseren Bodenverhältnissen hätte das höchstens 40 Minuten gedauert, schätzt Frank Sauer, Bauleiter der Beermann Bohrtechnik GmbH, einem spezialisierten Bauunternehmen aus dem niedersächsischen Hörstel. Beauftragt wurde die Firma wiederum von der halleschen Niederlassung der Umwelttechnik und Wasserbau GmbH. “Wir sind dankbar, dass wir dieses wichtige Vorhaben mit Experten auch aus der Region realisieren können”, erwähnt Thorsten Mahler. 

Am 9. Oktober hatten die Spezialisten mit der anspruchsvollen Bohrung losgelegt. In Anwesenheit von Merseburgs Oberbürgermeister Jens Bühligen. “Anspruchsvoll”, weiß Thorsten Mahler, “ist das gesamte Vorhaben zum einen wegen seiner Bedeutung für die sichere Trinkwasserversorgung und zum anderen, weil der Untergrund zwar im Vorfeld eingehend untersucht wurde, man aber trotzdem nicht vorhersagen kann, wie der Bohrer in der Realität vorankommt.” Es könne immer wieder vorkommen, dass Bruchstücke des in der Tiefe befindlichen Felsgesteins im Weg liegen und die Fahrt der Bohrmaschine behindern.

Zunächst hatte es eine sogenannte Pilotbohrung gegeben, die auf der Seite Werderstraße beginnend einen ersten, noch ziemlich engen Bohrkanal im Untergrund herstellen sollte - mit einem Durchmesser von circa 30 Zentimetern. Auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt, schildert Frank Sauer, wurde die Bohrung dann bereits auf 68 Zentimeter aufgeweitet. Zum Schluss betrug der Durchmesser fast einen Meter. So der Sachstand zu Beginn dieser Woche. Nach der finalen, prüfenden Durchfahrt eines sogenannten Räumers, um zu sehen, ob der geschaffene Bohrkanal weiter Bestand hatte, konnte die Trinkwasserleitung eingezogen werden - Meter für Meter, wie am laufenden Band. Am Mittwoch, kurz nach Mitternacht, begann man damit. Nach circa einem Tag war die Herausforderung gemeistert. 

Thorsten Mahler: “Diese Leitung ist der Ersatz für die 2013 beim Hochwasser beschädigte Infrastruktur.” Seit fast zwei Monaten wird nun an der wichtigsten Trinkwassereinspeisung für die Dom- und Hochschulstadt gebaut. Moderne Großbohrtechnik kam zum Schluss rund um die Uhr zum Einsatz. Das neue Gussrohr mit einem Innendurchmesser von 50 Zentimetern verläuft annähernd parallel und mit einem angemessenen Sicherheitsabstand zur bestehenden Versorgungstrasse, damit diese durch die Erschütterungen, hervorgerufen durch das Einziehen der Rohre, nicht beschädigt wird. Etwa 50 Meter Leitung führen unter der Saale durch - in circa 13 Metern unterhalb der Sohle des Flusses. 

Über Jahre wurde die Maßnahme vorbereitet. Etliche Planungen und Untersuchungen waren erforderlich, Anträge mussten geschrieben werden, auch für die Fördermittel, die von der Investitionsbank des Landes Sachsen-Anhalt kommen. 

“Im April 2021”, blickt Thorsten Mahler voraus, “wollen wir die gesamte Maßnahme abschließen und die Leitung in Betrieb nehmen.” Bis dahin muss unter anderem noch die Druckprobe erfolgen, es braucht die Hygienefreigabe durch das Gesundheitsamt - und auch in der Leunaer Straße muss noch am Trinkwassernetz gearbeitet werden, sobald die Witterungsverhältnisse es zulassen.

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