Was alles nicht in die Toilette gehört …

Der Welttoilettentag am 19. November ist einer von unzähligen Thementagen, die jedes Jahr gefeiert oder begangen werden. Ein Tag mit durchaus ernstem Hintergrund: Denn nach wie vor gelten hygienische Standards, wie sie hierzulande üblich sind, keineswegs überall auf der Welt. Wo sanitäre Anlagen fehlen, ist an eine vernünftige Reinigung des Abwassers gar nicht zu denken.

„In Rollsdorf betreiben wir für den Abwasserzweckverband Eisleben-Süßer See eine moderne, hochkomplexe Abwasserbehandlungsanlage“, schildert Lydia Herrmann, zuständige Projektleiterin bei der MIDEWA Wasserversorgungsgesellschaft in Mitteldeutschland mbH. In der Niederlassung Mansfelder Land – Querfurter Platte mit Sitz in Lutherstadt Eisleben führt sie ein Team mit 25 Männern und einer Frau.

In der Kläranlage Rollsdorf kommen pro Stunde fast  318 000 Liter Abwasser an. Die Anlage verfügt über eine Kapazität von 65 000 Einwohnerwerten. Dabei handelt es sich um eine Kennzahl für das in Haushalten, aber auch in produzierenden Betrieben anfallende Abwasser.

„Die Abwasserbehandlung beginnt mit einer mechanischen Reinigungsstufe. Das ankommende Abwasser wird zunächst von groben Stoffen befreit, anschließend werden im Sand- und Fettfang kleinere Bestandteile herausgeholt“, schildert Lydia Herrmann. Die eigentliche Reinigung des Abwassers erfolgt unter Zufuhr von Sauerstoff im Belebtschlammverfahren. „Hier bauen Bakterien die Schmutzstoffe im Abwasser ab und dafür brauchen sie Luft, um atmen beziehungsweise arbeiten zu können.“

Es gibt auf der Kläranlage in Rollsdorf insgesamt drei Belegungsbecken. Jedes einzelne verfügt über ein Fassungsvermögen von circa 4 600 Kubikmeter. Hier werden schließlich die Nährstoffe Kohlenstoff und Stickstoff abgebaut. Ist das erfolgt, also die biologische Reinigung des Abwassers beendet, wird es auf die Nachklärbecken verteilt. Der entstandene Belebtschlamm mit den Bakterien kann sich am Boden der Becken absetzen und das klare Wasser an der Oberfläche abgezogen und dem Wasserkreislauf wieder zugeführt werden. „Das gereinigte Abwasser“, weiß Lydia Herrmann, „gelangt nach der umfassenden Behandlung in den Vorfluter, das ist hier die Salza, ein Zufluss der Saale.“

Am Ende des Behandlungsprozesses auf der Kläranlage Rollsdorf werden die Klärschlämme entwässert und im Faulturm (4 200 Kubikmeter Volumen) für die Biogasproduktion eingesetzt. Das entstandene Gas wird schließlich in den beiden Blockheizkraftwerken verwertet; Strom und Wärme dienen der Selbstversorgung auf der Kläranlage.

Der Welttoilettentag ist nicht nur eine gute Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen einer umweltgerechten Abwasserbehandlung zu werfen. Er ist gleichermaßen Anlass, die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, was alles nicht in die Toilette gehört. „Eigentlich ist das ganz einfach“, betont MIDWA-Projektleiterin Lydia Herrmann: „Toiletten sind keine Mülleimer! Dort sollten ausschließlich menschliche Ausscheidungen, Toilettenpapier und Putzwasser entsorgt werden; alles andere ist tabu.“

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Toiletten sehr wohl als Mülleimer für alles Mögliche missbraucht werden. „Das erschwert unsere Arbeit in der Abwasserbehandlung enorm“, informiert Lydia Herrmann. Die Abwasserexperten haben vor allem mit Feucht- und Mikrofasertüchern ihre Probleme. „Diese Stoffe zerreißen nicht und bilden stattdessen feste, zopfartige Gebilde, die schlimmstenfalls dazu führen, das Pumpen lahm gelegt werden.“

Aber auch Hygieneartikel aller Art wie z.B. Wattestäbchen, Speisereste, Öle, Fette und auch Medikamente sowie Chemikalien kommen im Abwasserstrom ans Licht. „All das gehört nicht in die Toilette, sondern in den Haus-, Rest- oder Sondermüll beziehungsweise in die Biotonne“, sagt Lydia Herrmann.

Mehr dazu auf der Internetseite der MIDEWA: www.midewa.de/kundenservice/fragen-und-antworten/