Wipper einmal gequert

Nahezu problemlos hat sich der ferngesteuerte Bohrkopf innerhalb weniger Stunden unter der Wipper durchgegraben. "Der Boden war etwas steinig, aber es lagen keine größeren Felsbrocken im Weg, so dass der Zeitplan gut einzuhalten ist", erklärt Ronald Kühn, Mitarbeiter der MIDEWA Wasserversorgungsgesellschaft in Mitteldeutschland mbH. Er betreut die Verlegung der neuen Trinkwasserleitung unterhalb der Flusssohle, die in diesen Tagen bei besten Witterungsbedingungen zügig realisiert werden konnte. 

Für die Trinkwasserversorgungsleitung musste eine neue Trasse gefunden werden, nachdem die Landesstraßenbaubehörde den Brückenneubau angekündigt hatte. "Zwischen der Behörde und uns als Wasserversorger besteht ein Rahmenvertrag", erklärt Martin Moisel, Technischer Leiter der MIDEWA-Niederlassung Mansfelder Land - Querfurter Platte. Dieser Vertrag, so Martin Moisel weiter,  verpflichte die MIDEWA, Leitungen und Anlagen, die beim  Straßen- und Brückenbau hinderlich sein könnten, sofern erforderlich umzuverlegen. Das erfolge komplett in Eigenregie, sowohl was die Planung als auch die Umsetzung des Projektes angeht. Aktuell beschäftigt sich die Niederlassung der MIDEWA mit Sitz in Lutherstadt Eisleben mit zwei größeren Bauvorhaben, die in Abstimmung mit der Landesstraßenbaubehörde als Umverlegung von Trinkwasserleitungen realisiert werden.

Dazu zählt die Wipperquerung. Ronald Kühn: "Hier führen Trinkwasserleitungen, die große Teile des Ortes versorgen, quer durch die künftige Brückenbaustelle. Schon wegen der Bedeutung dieser Leitungen haben wir uns dazu entschlossen, sie weiträumig aus dem Baufeld zu nehmen. Die neue Trasse quert die Wipperaue am Ortsrand." Die besondere Herausforderung dieser Maßnahme habe  darin bestanden, den speziellen Belangen des Natur- und Gewässerschutzes Rechnung zu tragen. "Wir wurden dabei von einer Biologin fachkundig unterstützt", informiert er. Anspruchsvoll bei diesem Projekt auch die Zeitschiene: Für die Arbeiten gab es nur ein enges Zeitfenster zwischen der Brutzeit geschützter Tierarten bis zum Beginn des Brückenbaus. 

Mit der Firma Beermann Bohrtechnik sind absolute Experten für diese Verlegeart zugange. "Die neue Leitung", weiß Ronald Kühn, "wird im Bohrspülverfahren in wenigen Tagen ohne größere Aufgrabungen oberflächenschonend über eine Länge von 140 Metern eingebracht." Doch auch wenn die Experten Ende der Woche Wippra wieder verlassen, ist die neue Leitung längst nicht in das bestehende Versorgungsnetz eingebunden. Wie MIDEWA-Bereichsleiter Jörg Lindemann informiert, müsse der neu verlegte Leitungsabschnitt erst noch befüllt und gespült, das Wasser beprobt und schließlich die Druckprobe gemacht werden. "Unsere Kunden bekommen trotzdem ohne Einschränkungen ihr Trinkwasser. Denn die alte Leitung ist momentan noch in Betrieb", sagt er.

Das zweite Großprojekt für die MIDEWA-Niederlassung in Lutherstadt Eisleben ist in den vergangenen Wochen die Umverlegung der Trinkwasserleitung in Quenstedt gewesen. Ronald Kühn: "Die Arbeiten waren durch den geplanten Ausbau der Kreuzung nach Sylda für die Ortsumgehung  Quenstedt erforderlich. Die Trinkwasserleitung von  Walbeck nach Quenstedt, die jetzt neben der Bundesstraße 180 liegt, würde die neue Kreuzung später auf langer Strecke diagonal queren. Unser Ziel ist es jedoch, Straßen auf kürzestem Weg zu queren." Deshalb ist die Leitung in den vergangenen Wochen auch aus diesem sensiblen Bereich herausgenommen worden. Die neue Trasse führt in einem Bogen von 250 Meter um die Kreuzung herum. 

Wenn dann im kommenden Jahr die Straße gebaut wird, ist die MIDEWA mit ihren Arbeiten am Trinkwassernetz bereits fertig. Um Kosten, vor allem für den Tiefbau, zu sparen und spätere Behinderungen auszuschließen, wurde ein breiterer Rohrgraben ausgehoben, sodass sowohl Gas- als auch Telekommunikationsleitungen gleich mitverlegt werden konnten.