Nach langwierigen und schwierigen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn hat die MIDEWA Anfang Februar eine großen Schritt getan, die zur Stadt Lützen gehörende Ortschaft Rippach mit den Ortsteilen Großgöhren, Kleingöhren und Pörsten (Burgenlandkreis) an das Versorgungsnetz der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH anschließen zu können.
Im sogenannten ungesteuerten Pressbohrverfahren verlegte das in Osterburg (Altmark) ansässige Tiefbauunternehmen Siegfried Nadolle bei Pörsten ein circa 35 Meter langes Schutzrohr unter der Bahnlinie Großkorbetha-Deuben. Ende 2022 hatte die MIDEWA diese Arbeiten bereits bei der Deutschen Bahn beantragt. Doch das Genehmigungsverfahren zog sich, weil die Auflagen sehr hoch seien, im Bereich von Bahngleisen überhaupt arbeiten zu dürfen, weiß Daniel Müller. Der Technische Leiter des MIDEWA-Versorgungsbereiches Saale - Weiße Elster begleitete die Maßnahme von Anfang an.
Bei diesem speziellen Verlegeverfahren wird auf der einen Seite der Gleisanlage eine Startgrube geschaffen, auf der anderen die Zielgrube. "Das Stahlrohr, das die Trinkwasserleitung zusätzlich schützen soll, wird mit großem Druck Zentimeter für Zentimeter unter den Gleisen durchgepresst, während das Erdreich im Rohr mit einer Förderschnecke gleichzeitig herausgeholt wird", erläutert Daniel Müller das Verfahren. In knapp einer Woche war das aufwändig geplante Werk vollbracht. Das knapp 28 Meter lange Stahlschutzrohr mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern liegt inzwischen an Ort und Stelle.
Eine von der Deutschen Bahn zertifizierte, unabhängige Expertin überwachte die Arbeiten, die von der Tief- und Spezialbau Halle GmbH & Co. KG im Auftrag der MIDEWA koordiniert wurden. Damit, erläutert Daniel Müller, habe das Unternehmen sicherstellen wollen, dass seine Anforderungen zu jeder Zeit eingehalten werden. Unter anderem wurden vor, während und nach der Querung Messungen vorgenommen, um die Lage der Gleise zu überprüfen und sicherzustellen. Wäre es hier zu Unregelmäßigkeiten gekommen, hätte man sofort reagieren können. "Die Sicherheit des Bahnverkehrs", betont Daniel Müller, "hat jederzeit oberste Priorität."
Die Maßnahme ist die entscheidende Voraussetzung gewesen, um Rippach mit den Ortsteilen Großgöhren, Kleingöhren und Pörsten künftig mit Fernwasser aus Richtung Nellschütz versorgen zu können. Bisher erhalten die MIDEWA-Kunden ihr Trinkwasser über den Zweckverband für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Bad Dürrenberg. Diese Versorgung bleibt auch weiterhin erhalten und bietet damit eine doppelte Absicherung der Versorgung bei Rohrbrüchen.
Sofern die Temperaturen stabil im frostfreien Bereich bleiben, kann sich die MIDEWA nun mit dem Verlegen der Trinkwasserleitung - einer Leitung mit 18 Zentimetern Durchmesser - im Schutzrohr beschäftigen und den Anschluss an das bestehende Versorgungssystem herstellen. Bis Ende März sollen diese Arbeiten erledigt sein.
Seit Anfang April 2024 erhalten die rund 200 MIDEWA-Kunden in den drei Lützener Ortsteilen Lösau, Dehlitz und Oeglitzsch ihr Trinkwasser aus dem Wasserwerk Torgau-Ost der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH. Nicht nur der Lieferant - zuvor kam das kühle Nass aus dem Wasserwerk Leißling der Stadtwerke Weißenfels GmbH -, sondern auch die Härte veränderte sich und liegt seit der Umstellung bei circa 11,5 °dH (Grad deutscher Härte). Zuvor sind es über 22 °dH gewesen.
Die MIDEWA investierte durch den Bau neuer Leitungen fast eine Million Euro in den Ausbau ihres Versorgungsnetzes in der Region. Eine Entscheidung, um in Zeiten des Klimawandels eine noch stabilere Versorgung der Kunden mit Trinkwasser zu gewährleisten.